Identitätsfalle Juristen

Raus aus der Identitätsfalle: Warum dein Jobtitel nicht deine Persönlichkeit ist

War das schon alles? Ein Prädikatsexamen, der sichere Job in der Kanzlei oder die Ernennung zur Richterin auf Lebenszeit: von außen betrachtet hast du alles erreicht. Und doch bleibt abends, wenn du den Laptop zuklappst, oft dieses leise, aber hartnäckige Gefühl: War das schon alles?

In kaum einer anderen Branche verschmelzen persönliche und berufliche Identität so stark miteinander wie in der Rechtswissenschaft. Jura ist oft nicht einfach das, was du tust. Es ist zu dem geworden, was du bist.

Der goldene Käfig

Auf unserem Weg durch Studium, Referendariat und die ersten Berufsjahre arbeiten wir hart für Status, Sicherheit und ein gutes Gehalt. Wir sammeln Scheine, bestehen Prüfungen, steigen ein und steigen auf – und irgendwann merken wir, dass wir in einem hübschen goldenen Käfig sitzen. Den Gedanken daran auszubrechen, verbieten wir uns oft. Man kann doch nicht einfach das wegwerfen, wofür man jahrelang geschuftet hat. Die eigene Identität aufzugeben? Unvorstellbar. Und doch blitzt manchmal diese Ahnung auf: Es könnte auch anders sein… und ja, oft schiebt man sie wieder weg. Ich spreche aus Erfahrung. 

Mut zu kleinen Veränderungen

Wichtig ist: Der erste Schritt zur Veränderung muss nicht dramatisch sein, kein spontanes Karriereexperiment, kein wilder Sprung ins kalte Wasser.

Starte mit einer Bestandsaufnahme:
Welche drei Momente in deinem Arbeitsalltag fühlen sich tatsächlich leicht, lebendig oder spannend an – und welche fühlen sich schwer, energieraubend oder fremdbestimmt an?

Was würdest du tun, wenn keine Erwartungen von außen existierten?
Welche kleine Handlung könntest du morgen ausprobieren, die dir ein Stück Freiheit verschafft?
Was müsste passieren, damit du in einem, in drei oder in sieben Jahren zufrieden zurückschaust? 

Deine juristische Expertise wirfst du dabei nicht weg. Im Gegenteil. 

Du nimmst sie immer mit. Auch wenn du dir Stück für Stück neue Geschichten über dein Leben, deine Arbeit und den Umgang mit dir selbst erzählst, dich ausprobierst und Grenzen verschiebst.

Veränderung ist dann kein Sprung ins kalte Wasser. Sie ist eher wie langsam wieder lernen, zu schwimmen. Bis du merkst: Oh, hier fühle ich mich wohl. 

Eine schöne Vorstellung, oder? 

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Sarah Kind KindLegalMinds Coaching für Juristen